Diese Seite befindet sich noch im Aufbau. Hier werden künftig Elemente der christlichen Kultur des schützenden Dienstes vorgestellt werden, auf die unser Vorhaben sich stützt oder auf die es sich bezieht.

Einige Elemente dieser Kultur sind in der Vergangenheit losgelöst von christlichen Zielen durch säkulare Ideologien und Akteure instrumentalisiert worden. Aus der Korrumpierung des Besten entsteht natürgemäß jedoch das Schlechte. Es wäre angesichts dessen aber ein Ausdruck mangelnden Mutes, die entsprechenden Elemente widerstandlos jenen zu überlassen, die sie missbräuchlich verwendet haben oder ihre Umdeutung dieser Elemente zu akzeptieren. Die folgende Aufstellung soll daher auch dazu beitragen, diese Elemente wieder in ihren ursprünglichen Kontext zu stellen, denn der schützende Dienst von Christen wird auch künftig gebraucht werden.

1. Heilige

Carlo Crivelli – Der heilige Stephanus

Heilige sind nach katholischem Verständnis verehrungswürdige Menschen, die ein radikales, religiös vorbildliches Leben geführt haben. Es handelt sich bei ihnen um Menschen die große Taten auf einem besonderen Gebiet hervorbrachten, sich durch heroische Tugend auszeichneten oder besonders glaubensstark waren. Viele Heilige waren Märtyrer und Asketen. Einen allgemeinen Bezug zum schützenden Dienst des Christen haben die folgenden katholischen Heiligen.

  • Stephanus (ca. 1-36): Der erste Märtyrer des Christentums wurde getötet, nachdem er eine Verteidigungsrede zugunsten des Christentums gehalten hatte.
  • Benedikt von Nursia (ca. 480-547): Ordensgründer und „Vater Europas“, dessen Orden im Chaos nach dem Untergang des Römischen Reiches das „Licht der Welt“ (Mt 5,14) war.
  • Bernhard von Clairvaux (1090-1153): Vordenker des ritterlichen Ideals und des christlichen Soldatentums
  • Die Märtyrer von Otranto (1480): 800 Bewohner einer süditalienischen Stadt, die „gehorsam bis zum Tod“ waren (Phil 2,8)
  • Ignatius von Loyola (1491-1556): Offizier, Vordenker einer soldatisch-geprägten Spiritualität und Gründer des Jesuitenordens
  • Louis-Marie Grignion de Montfort (1673-1716): Vordenker einer agonalen marianischen Spiritualität
  • Maximilian Kolbe (1894-1941): Der unbesiegte Märtyrer von Auschwitz, der ursprünglich Soldat werden wollte und die Militia Immaculatae gründete. „Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt.“ (Joh 15,13)
  • Josemaría Escrivá (1902-1975): Vordenker einer maskulinen Spiritualität des tätigen Dienstes
  • Johannes Paul II. (1920-2005): Geistiger Führer des Westens bei dessen Verteidigung gegen die Herausforderung durch totalitären Ideologien der Moderne

1.1 Soldatenheilige

Das katholische und das orthodoxe Christentum verehren Soldatenheilige, die ein soldatisch geprägtes Leben führten. Während es sich bei den meisten der katholischen Soldatenheiligen primär um Märtyrer handelte, die wegen ihres christlichen Glaubens verfolgt und getötet wurden, spielt im orthodoxen Christentum die Betonung schützenden Dienstes im Zusammenhang mit Soldatenheiligen eine größere Rolle. Dies hat auch historische Gründe, da das orthodoxe Christentum aufgrund der geographischen Lage seines Verbreitungsraums historisch in größerem Umfang Ziel von militärischen Angriffen war.

Im katholischen Christentum sind im Zusammenhang mit schützendem Dienst vor allem die folgenden Soldatenheiligen zu nennen:

  • Johanna von Orléans (1412-1431): Die Rettung Frankreichs war unmittelbarer Gegenstand ihrer Berufung, der sie durch den Dienst als Soldatin folgte.

2. Denker

Die hier vorgestellten Denker haben sich mit Herausforderungen für das Christentum und Antworten auf sie auseinandergesetzt.

  • Hans Urs von Balthasar (1905-1988): Der Theologe des Ernstfalls
  • Hilaire Belloc (1896-1953): Historiker, der über die Bedeutung des Christentums für Europa schrieb: „Der Glaube ist Europa und Europa ist der Glaube.“
  • Nikolai Berdjajew (1874-1948): Philosoph und Künder eines „neuen Mittelalters“ im Sinne einer Renaissance der Religion und des Geistigen in Europa nach dem bevorstehenden Scheitern moderner Ideologien
  • Edmund Burke (1729-1797): Staatsphilosoph, der nach der Französischen Revolution die totalitären Tendenzen moderner, utopischer Ideologien beschrieb
  • G.K. Chesterton (1874-1936)
  • Juan Donoso Cortés (1809-1853)
  • Christopher Dawson (1889-1970)
  • T.S. Eliot
  • Romano Guardini (1885-1968)
  • C.S. Lewis (1898-1963): Verteidiger der christlichen Geistestradition gegen die „Abschaffung des Menschen“ durch Reduzierung der Wirklichkeit auf empirisch Fassbares seitens moderner Ideologien
  • Henri de Lubac (1896-1991)
  • Alasdair MacIntyre (geb. 1929)
  • Joseph de Maistre (1753-1821)
  • Joseph Pieper (1904-1997)
  • Joseph Ratzinger (Benedikt XVI., geb. 1927)
  • Philip Rieff (1922-2006)
  • Pitirim Sorokin (1889-1968)
  • Eric Voegelin (1901-1985)

3. Historische Persönlichkeiten

Alonso Sánchez Coello – Juan de Austria (ca. 1531)

In der Geschichte des Christentums gab es zahlreiche Personen von historischer Bedeutung, die sich in militärischem Dienst stehend, als militärische Führer oder durch andere militärische Taten schützend um das Christentum verdient gemacht haben.

  • Karl Martell (ca. 688-741): Der Historiker Edward Gibbon bezeichnete ihn wegen seines Sieges in der gegen angreifende Araber und Berber geführten Schlacht von Tours und Poitiers im Jahr 732 als den „Retter des Abendlandes“.
  • Kaiser Karl der Große (747-814): Der Kaiser des Frankenreiches entsprach laut dem Historiker Johannes Fried dem Urbild des „weisen Königs“ und war ein Mann des „Schwertes und der Religion“, der Europa erstmals seit dem Untergang des Römischen Reiches wieder eine Ordnung gab. Die kulturellen Werke, die er ermöglichte, wirken bis heute nach, und er unterstützte auch die Rettung des verbliebenen Wissens der Antike. An den damaligen Papst schrieb er: „Unsere Aufgabe ist es […] die heilige Kirche Christi […] nach außen mit den Waffen zu verteidigen und nach innen mit der Erkenntnis des katholischen Glaubens zu festigen.“ Zudem unterstützte er die Christen Spaniens gegen die Angriffe der Mauren und schuf mit der Spanischen Mark eine Grenzregion, die Nordeuropa gegen weitere islamische Expansion sicherte und den Ausgangspunkt für die Reconquista bildete.
  • König Heinrich I. (876-936): Als König des Ostfrankenreichs bestand eine seiner Leistungen darin, die Einfälle der damals noch nicht christianisierten, als praktisch nicht besiegbar geltenden Ungarn abzuwehren und damit die Ostgrenze des christlichen Europas zu sichern. Dies gelang ihm u.a. durch eine Reform der Wehrorganisation, ein umfangreiches Burgenbauprogramm, die Einigung der ostfränkischen Stämme auf der Grundlage des Christentums sowie durch den Sieg eines von ihm geführten Heeres über die Ungarn in der Schlacht bei Riade im jahr 933. Sein Wirken spielte zudem eine entscheidende Rolle bei der Schaffung des christlichen Heiligen Römischen Reiches.
  • Jean de la Valette (1494-1568): Er war Admiral der Flotte und später Großmeister des Malteserordens, unter dessen Führung die osmanische Belagerung der für die Verteidigung des westlichen Mittelmeerraumes wichtigen Insel Malta 1565 abgewehrt wurde. Als die Angreifer über eine eingestürzte Bastion in die Festungsanlagen einzudringen begannen, soll er im Alter von über 70 Jahren persönlich den Gegenangriff angeführt haben. Nach hohen Verlusten sollen zuletzt 600 Mann die Insel gegen mehrere zehntausend angreifende Osmanen gehalten haben. Eine Inschrift an seinem Grab bezeichnet ihn als den „Wächter Europas“.
  • Ritter Johann von Österreich (1547-1578)
  • König Johann III. Sobieski (1629-1696)
  • Prinz Eugen von Savoyen (1663-1736)
  • Jacques Cathelineau (1759-1793): Er war einer der Kommandeure des katholischen Widerstands gegen den Terror der Französischen Revolution in der Vendée. Wegen seiner besonderen Frömmigkeit wurde er im Volksmund auch als „der Heilige von Anjou“ bezeichnet. Das kirchliche Verfahren zu seiner Heiligsprechung wurde wegen des Verlustes der Unterlagen im Zweiten Weltkrieg abgebrochen.
  • Claus Schenk Graf von Stauffenberg (1907-1944): Stauffenberg stammte aus einer Familie mit jahrhundertelanger Soldatentradition. Er war ein gläubiger Katholik, der durch sein Handeln dazu beitragen wollte Deutschland wieder an seine abendländischen geistigen Wurzeln anzubinden. Der Überlieferung nach waren seine letzten Worte „Es lebe das geheiligte Deutschland!“

4. Taten

Hier werden historisch bedeutsame Taten des schützenden und verteidigenden Dienstes des Christentums an Europa sowie am Christentum in Europa aufgeführt.

  • Die Verteidigung Mitteleuropas gegen die Ungarneinfälle (899-955)
  • Die Reconquista (ca. 711-1492): Auf der iberischen Halbinsel wäre das Christentum im Zuge der islamischen Expansion vermutlich ebenso ausgelöscht worden wie in Nordafrika, wenn es nicht gelungen wäre, diese Expansion durch die Reconquista rückgängig zu machen.
  • Der Widerstand in der Vendée gegen den Terror der Französischen Revolution (1793-1796)
  • Die Türkenkriege und die Verteidigung Mitteleuropas gegen die Osmanen (1423-1799)
  • Der christliche Widerstand gegen den Nationalsozialismus (1933-1945)
  • Der katholische Widerstand gegen den Kommunismus (1917-1989): Die katholische Kirche spielte insbesondere unter Papst Johannes Paul II. eine entscheidende Rolle bei der Befreiung Osteuropas von kommunistischer Herrschaft.

5. Motive

  • Maria vom Siege: Die Verehrung der „Mutter vom Großen Sieg“ war in Europa nach der erfolgreichen Abwehr der osmanischen Bedrohung bei Lepanto 1571 und bei Wien 1683, die auf ihr Wirken zurückgeführt wurde, weit verbreitet.
  • Die neun guten Helden: Ein seit dem 14. Jahrhundert in ganz Europa verbreitetes kunstgeschichtliches Motiv, das ritterliche Idealgestalten beschreibt

6. Konzepte

  • Das Abendland: Das Abendland ist der kulturell durch das katholische Christentum geformte und durch die griechische und römische Antike sowie durch germanische und keltische Einflüsse geprägte Teil Europas. Seit dem Verlust der religiösen Einheit Europas und im Zuge der Moderne ist das Abendland von einer geopolitischen Tatsache zu einem geistigen Ideal geworden.
  • Der Miles Christianus: Das Konzept beschreibt primär das Ideal des asketischen Christen, der einen inneren Kampf um das Heil seiner Seele führt. Es beschreibt außerdem im Rahmen des Konzepts des Rittertums das Ideal des Christen, welcher dem Christentum und der Kirche schützend und verteidigend dient und dafür ebenfalls asketische Tugend entwickeln muß.
  • Das Rittertum: Das Rittertum ist das christliche Soldatentum. Seine Aufgabe war es, das Christentum, die Kirche und schutzbedürftige Menschen zu schützen und zu verteidigen. Das Tugend- und Haltungsideal des Rittertums ist dabei anders als die militärischen und politischen Formen seiner historischen Gestaltung zeitlos und wirkt bis in die Gegenwart nach.
  • Die Ökumene des Blutes: Das Konzept wurde 2016 in einer gemeinsamen Erklärung von Papst Franziskus und dem russisch-orthodoxen Patriarchen Kyrill beschrieben. Demnach würden die Feinde des Christentums ihren Vernichtungswillen gegen das Christentum als solches richten und nicht zwischen den verschiedenen christlichen Konfessionen unterscheiden. Im Angesicht feindlicher Angriffe seien konfessionelle Streitigkeiten daher unangemessen. Papst Franziskus: „Wenn uns der Feind im Tod vereint, wie kommen wir dazu, uns im Leben zu trennen?
  • Das geheime Deutschland: Das Konzept beschreibt die Werke und Ideale deutscher Kultur christlich-abendländischen Geistes, die durch die Jahrhunderte hindurch entstanden, sich dabei aufeinander bezogen und aufeinander aufbauten und dadurch ein unsichtbares, geistiges Deutschland schufen. Es beschreibt auch seine Träger, die oft im Gegensatz zu den politischen und gesellschaftlichen Erscheinungen der Zeit und Umstände standen, in der sie lebten und wirkten. „Es ist die geheime Gemeinschaft der Dichter und Weisen, der Helden und Heiligen, der Opferer und Opfer, welche Deutschland hervorgebracht hat und die Deutschland sich dargebracht haben […]. Es ist […] ein Geisterreich wie der mittelalterliche Heiligen- und Engelsstaat, ist ein Menschenreich wie Dantes als ‚Humana civiltas‘ erschaute Jenseitswelt der drei Bezirke […] es ist die in Stufen und Ränge geordnete Heroenwelt des heutigen, des künftigen und des ewigen Deutschland.“ (Ernst Kantorowicz)
  • Der Gentleman: Das im ganzen europäischen Kulturraum verbreitete Konzept geht auf Vorstellungen des Rittertums zurück

7. Symbole und Zeichen

  • Der gute Hirte: „Ich gebe mein Leben hin…“
  • Der Pelikan: Symbol opferbereiten Dienstes
  • Der Wolf: Symbol für menschliche Gegner der Christen und des Christentums
  • Der Drache: Symbol für das Böse
  • Das Schwert: Symbol der göttlichen Allmacht und Gerechtigkeit sowie des göttlichen Zorns.

8. Glaubenspraxis

Einige Aspekte katholischer Glaubenspraxis beziehen sich unmittelbar auf Taten des schützenden Dienstes am Christentum.

  • Das Rosenkranzfest: Der Dank der Kirche für den Sieg über die osmanische Flotte in der Seeschlacht von Lepanto 1571
  • Das Fest Mariä Namen: Der Dank der Kirche für die Abwehr der zweiten Wiener Türkenbelagerung 1683
  • Der Jakobsweg: Pilgerfahrt zur Unterstützung der spanischen Recoquista
  • Das Angelus-Gebet
  • Waffensegnung: Diese ist seit dem 10. Jhd. belegt und sollte unter anderem den Träger der Waffen darauf verpflichten, diese zum Schutz von „Kirchen, Witwen, Waisen und allen, die Gott dienen“ einzusetzen. Vor allem aufgrund von mißbräuchlicher Verwendung für säkulare Zwecke vor allem im 20. Jahrhundert werden Waffensegnungen derzeit durch die Kirche nicht mehr praktiziert.

9. Orte

Christliche Orte, die hier relevant sind, umfassen Stätten des schützenden christlichen Dienstes am Gemeinwesen.

  • Der Aachener Dom: Ort des Karlskultes und von 936 bis 1531 Krönungsort römisch-deutscher Könige
  • Die Kathedrale von Reims: Jahr­hunderte­lang wurden hier die französischen Könige gekrönt.
  • Das Kloster Monte Cassino
  • Der Quedlinburger Dom
  • Iona Abbey: Die 563 gegründete Abtei auf der Insel Iona vor der Westküste Schottlands ist einer der heute noch erhaltenen Orte im irisch-schottischen Raum, die in der Zeit nach dem Zusammenbruch des Römischen Reiches den chaotischen Bedingungen der damaligen Zeit weitgehend entzogen war und einen Rückzugsraum für christliche Mönche bildete. Diese bewahrten hier Teile des Wissens und der Kultur der Antike und bildeten Missionare aus, die das Christentum in weiten Teilen Europas verbreiteten und Inseln der Ordnung und der Kultur schufen.
  •  Die Befestigungsanlagen der Insel Malta

10. Werke

10.1 Literatur (Allgemein)

Hier werden sowohl Werke mit unmittelbarem christlichen Bezug als auch Werke aufgeführt, deren Gedanken in das Christentum integriert wurden oder integrierbar sind oder sonstige Bezüge zur christlichen Kultur des schützenden Dienstes aufweisen.

  • Hans Urs von Balthasar – Cordula oder der Ernstfall
  • Edmund Burke – Betrachtungen über die französische Revolution
  • Epiktet – Handbüchlein der Moral: Viele der Vorstellungen des heidnischen griechischen Autors der Antike bzw. der stoischen Philosophie wurden später in Konzepte christlicher Lebensführung integriert. Die stoische Philosophie prägte zudem abendländische Vorstellungen des Soldatentums und wurde in den vergangenen Jahren im Rahmen von Überlegungen zur Stärkung psychischer Resilienz in Krisensituationen wieder verstärkt beachtet.
  • Josemaría Escrivá – Der Weg: Es handelt sich um den ersten Band einer Trilogie, in welcher der katholische Heilige in Form von Leitsätzen und Aphorismen eine männliche Spiritualität des Dienstes beschreibt. „Dein Leben darf kein fruchtloses Leben sein. – Sei nützlich. – Hinterlasse eine Spur. – Leuchte mit dem Licht deines Glaubens und deiner Liebe. Tilge durch dein Leben als Apostel den zähen Unrat, den die verseuchten Prediger des Hasses verbreitet haben. […] Sei stark. – Sei aufrecht. – Sei männlich. – Und dann … sei ein Engel.“
  • Viktor E. Frankl – …trotzdem ja zum Leben sagen. Ein Psychologe erlebt das Konzentrationslager: Der Autor behandelt die Frage nach dem Sinn des Lebens vor dem Hintergrund scheinbar auswegloser Lagen und sieht im dienenden Leben den einzigen Weg sinnvoller Lebensgestaltung. „Wir müssen lernen […], dass es eigentlich nie und nimmer darauf ankommt, was wir vom Leben zu erwarten haben, vielmehr lediglich darauf: was das Leben von uns erwartet!“
  • Romano Guardini – Das Ende der Neuzeit
  • René Guenon – Die Krisis der Neuzeit
  • Scott Hahn – Das Mahl des Lammes: Der katholische Theologe beschreibt die Bezüge zur Offenbarung des Johannes, welche die heilige Messe bestimmen und sie zu einem Ausdruck und Teil des überzeitlichen Kampfes zwischen Gott und den Kräften des Bösen machen. „Gottesdienst ist Kampf. Wir sind hier um verwandelt zu werden: uns selbst abzusterben, für andere zu leben und so wie Gott zu lieben. Das geschieht auf dem Altar der Erde, und es geschieht auf den Altären unserer Kirchen.“
  • Ernst Jünger – Der Waldgang
  • C.S. Lewis – Die Abschaffung des Menschen
  • Inazo Nitobe  – Bushido. Die Seele Japans: Der aus einem Samurai-Clan stammende und zum Christentum konvertierte Autor beschreibt in diesem Werk unter Betonung von Parallelen zum christlichen Rittertum und anderen christlichen Konzepten die Grundlagen des Dienstethos der japanischen Samurai.
  • Platon – Der Staat
  • Philip Rieff – My Life among the Deathworks

10.2 Literatur (Romane)

Hier werden literarische Werke vorgestellt, die im weitesten Sinne unter Bezug auf christliche oder christlich-geprägte Gedanken und Konzepte das Thema des schützenden Dienstes behandeln.

  • Werner Bergengruen – Der letzte Rittmeister
  • Ray Bradbury – Fahrenheit 451: In diesem dystopischen Roman beschreibt der christlich-geprägte Bradbury einen fiktiven totalitären Staat der Zukunft, dessen Bevölkerung durch totale Unterhaltung seelisch so korrumpiert ist, dass sie nicht mehr aktiv unterdrückt werden muss, weil sie ihren Zustand gutheißt. Gleichzeitig steht dieser Staat vor einer unabwendbaren Katastrophe. In dieser Lage bereitet sich eine kleine Gemeinschaft darauf vor, den späteren geistigen Wiederaufbau vorzubereiten.
  • Dino Buzzati – Die Tatarenwüste: Ein Roman über einen Offizier, der sein Leben damit verbringt, in einer abgelegenen Festung auf den Angriff des Gegners zu warten. Es geht um die „bittersüße Lust des höchsten Opfers […]. Dieser Roman ist eine gefährliche Lektüre für Menschen mittleren Alters, vor allem, wenn sie männlich sind.“ (Aus der Rezension von Hubert Spiegel in der FAZ).
  • Ernst Jünger – Auf den Marmorklippen: Eine Betrachtung des später katholisch gewordenen religiösen Mystikers Ernst Jünger über den Dienst im Angesicht von moralischem Verfall und Barbarei, die er zur Zeit des Dritten Reiches verfasste, und die deutliche Verweise auf dieses enthält.
  • Jochen Klepper – Der Vater: Der Autor, der auch evangelischer Theologe war, zeichnete in diesem 1937 erschienenen Roman das Bild eines preußischen Königs, der in allem nach Gott fragt und sich als ersten Diener im Staat begreift. Klepper stellte dieses Bild dem totalitären Führerkultur seiner Zeit gegenüber.
  • Alexander Lernet-Holenia – Die Standarte
  • Jean Raspail: Sieben Reiter verließen die Stadt: Der traditionell orientierte Katholik Raspail ergründet in diesem Roman die Ursachen des Zerfalls von Kulturen und verschiedene Möglichkeiten, sich dem auf dienende Weise zu stellen.
  • J.R.R. Tolkien – Der Herr der Ringe: Der Autor sagte über sein Werk: „Der Herr der Ringe ist natürlich von Grund auf ein religiöses und katholisches Werk; unbewusstermaßen zuerst, aber bewusst im Rückblick.“ In der Tradition europäischer Mythen beschreibt er den Dienst einer Gemeinschaft im Kampf gegen das Böse.
  • Franz Werfel – Die vierzig Tage des Musa Dagh: Der Roman behandelt den Widerstand der christlichen Armenier gegen den an ihnen von den Türken verübten Völkermord Anfang des 20. Jahrhunderts.

10.3 Bildende Kunst und Musik

Der Bamberger Reiter

Die christliche Kultur des schützenden Dienstes wurde auch in zahlreichen Werken der bildenden Kunst und der Musik ausgedrückt.

  • Der Bamberger Reiter: Der Historiker und Mediävist Ernst Kantorowicz sah in dem Reiterstandbild im Bamberger Dom aus dem 13. Jahrhundert das Idealbild des Rittertums dargestellt.
  • Andrea del Verrocchio – Das Reiterstandbild Bartolomeo Colleonis: Colleoni war General der Republik Venedig und gilt als eine der fähigsten militärischen Gestalten des Europas des 15. Jahrhunderts. Er soll zeitweise als militärischer Führer eines nicht zustandekommenen Kreuzzugs zur Abwehr osmanischer Angriffe in Erwägung gezogen worden sein. Das Reiterstandbild in Venedig, das ihn zeigt, gehört zu den bedeutendsten Reiterstandbildern überhaupt und betont in idealisierter Weise die soldatischen Tugenden des Dargestellten.
  • Jan van Eyck – Die Streiter Christi/Darstellung auf dem Genter Altar
  • Das Harbaville-Triptychon (ca. 950): Das Kunstwerk aus Elfenbein wurde in der Mitte des 10. Jahrhunderts in Konstantinopel mutmaßlich für den kaiserlichen Hof geschaffen. Es zeigt das Motiv Jesu Christi auf seinem Thron als Herrscher, flankiert u.a. von Soldatenheiligen.
  • Albrecht Dürer – Ritter, Tod und Teufel (1513): Der Ritter symbolisiert das aktive, dienende Leben, das sich Risiken stellt und dabei mit dem Tod, aber auch mit der Versuchung zum Bösen konfrontiert ist.
  • Die Apokalypse von Angers (Wandteppich-Zyklus): Der durch den Weber Nicolas Bataille realisierte und durch den Maler Jan Bondol gestaltete Wandteppich wurde 1382 fertiggestellt. Der ursprünglich rund 140 Meter lange Teppich zeigt zahlreiche Motive aus der Offenbarung des Johannes. Die Darstellungen betonen die heroischen Aspekte des überzeitlichen Kampfes zwischen den Kräften des Guten und Bösen. Kunsthistoriker bewerteten ihn als eine der bedeutendsten Umsetzungen des Themas.
  • Richard Wagner – Parsifal: Das Bühnenweihfestspiel Wagners beruht auf dem Gralsmythos.

10.4 Lyrik

  • Die höfische Dichtung und Ritterepik: Die als Chansons de geste in altfranzösischer und okzitanischer Sprache formulierten Gedichte des Mittelalters mit christlichem Bezug behandeln vorwiegend die Taten frankischer Könige beim Schutz der christlichen Länder gegen islamische Angriffe. Hierzu gehört etwa das Rolandslied. Auch der spanische Cantar de Mio Cid und das mitteldeutsche Werk Parzival des Wolfram von Eschenbach fallen in diesen Bereich.
  • Friedrich Gundolf – Schließ Aug und Ohr

10.5 Lieder

Allgemein ist die Zahl geistlicher Lieder sowohl katholischen als auch protestantischen Hintergrundes, die in Stil und Inhalt im weitesten Sinne einer männlichen Spiritualität gerecht werden, überschaubar. Bei den „Kreuzliedern“ des Mittelalters, die oft inhaltliche Bezüge zum Rittertum hatten, handelte es sich um durch Minnesängern vorgetragene lyrische Texte und und nicht um geistliche Lieder.

  • Friedrich Spee – Unüberwindlich starker Held, Sankt Michael: Das katholische Lied aus dem 17. Jahrhundert ruft den Erzengel Michael als Kämpfer Gottes für die Kirche und als Beistand gegen das Böse an.
  • Martin Rinckart – Nun danket alle Gott: Ein ursprünglich protestantisches, später ökumenisch verwendetes Lied
  • Die Bogurodzica: Das im 13. Jahrhundert entstandene polnische Lied war die Krönungshymne des polnischen Königs Wladyslaw I. und wurde unter anderem bei der Schlacht von Warna 1444 gegen die Osmanen als Kampflied gesungen. Es ist an die Muttergottes und an Jesus Christus gerichtet.

11. Mythen, Sagen und Legenden

Mythen sind traditionell, ursprünglich meist mündlich überlieferte Erzählungen, die das Heilige zum Inhalt haben. Legenden sind überlieferte Erzählungen über Personen. Die Brüder Grimm definierten Sagen als „Kunde von Ereignissen der Vergangenheit, welche einer historischen Beglaubigung entbehrt“ und von „naiver Geschichtserzählung und Überlieferung, die bei ihrer Wanderung von Geschlecht zu Geschlecht durch das dichterische Vermögen des Volksgemüthes umgestaltet wurde“. Hier kommt es vor allem auf geistige Wahrheit und Aussagen über das Heilige an. Historisches Geschehen bildet allenfalls den Rahmen der Erzählung. Solche Erzählungen wurden daher auch als Formen narrativer Theologie bezeichnet.

  • Der Gralsmythos
  • Die Artussage
  • Die Legende von Sankt Georg dem Drachentöter: Der historische Georg, über den wenig bekannt ist, starb vermutlich um das Jahr 303 herum als Märtyrer. Im Mittelalter gab es eine ausgeprägte Verehrung Sankt Georgs. In dieser Zeit entstanden zahlreiche Legenden um ihn. In der „Legenda Aurea“ rettet er eine jungfräuliche Königstochter vor einem Drachen, den er tötet. Der Drache hatte sie als Opfer gefordert. nach der Tötung des Drachen ist das Land vom Bösen befreit und viele Menschen lassen sich taufen. Die Georgslegende spielte eine wichtige Rolle im Selbstverständnis des christlichen Rittertums.
  • Die Rolandslegende: Die Legende des fränkischen Offiziers Roland, deren historischer Hintergrund der Abwehrkampf Karls des Großen gegen die Sarazenen ist, wird unter anderem im Rolandslied (einem mittelalterlichen Versepos) wiedergegeben.
  • Die Beowulf-Legende: Das frühmittelalterliche angelsächsische Gedicht beschreibt den Kampf des Helden Beowulf gegen das Monster Grendel und vereint dabei nordische mit christlichen Traditionen. Christliche Motive finden sich vor allem in der Beschreibung positiver Charaktereigenschaften Beowulfs und in der moralischen Bewertung von Entscheidungen. Zudem wird das Monster Grendel als Nachkomme des Brudermörders Kain aus dem Alten Testament dargestellt.
  • Die Legenden um Dietrich von Bern: Die Legenden beschreiben Dietrich als Königssohn und Helden, der zwölf Mitstreiter um sich sammelt und gegen Drachen und Riesen kämpft. Bert Nagel sah in den Darstellungen Dietrichs von Bern im ca. um das Jahr 1200 herum in Süddeutschland entstandenen Nibelungenlied den Ausdruck eines vom Christentum geprägten ritterlichen Ethos der Stauferzeit. Das Nibelungenlied, in dem Dietrich unter anderem erwähnt wird, geht nach Ansicht von Forschern auf ältere völkerwanderungszeitliche Sagen zurück, die später mit christlichen Einflüssen verbunden worden seien. Historisches Vorbild für die Darstellungen Dietrichs war möglicherweise der ostgotische König und arianische Christ Theoderich der Große.

11.1 Waffen in Mythen und Legenden mit christlichem Bezug

Die Heilige Lanze in der Schatzkammer Wien

In der christlichen Mythologie und christlichen Legenden gibt es das Motiv des Schwertes und anderer Waffen. Zu nennen sind hier vor allem die folgenden mythischen bzw. legendären Schwerter und  Waffen:

  • Die heilige Lanze: Einer Legende aus dem apokryphen Nikodemusevangelium zufolge soll der römische Zenturio Longinus Jesus Christus mit einem Speer in die Seite gestochen haben. Durch das Heilige Blut sei der kranke Longinus geheilt worden, der sich anschließend taufen ließ und später als Märtyrer starb. Seit dem frühen Mittelalter ist eines von mehreren der als Speer des Longinus angenommenen Objekte eines der Herrschaftsinsignien des Heiligen Römischen Reiches. Ein Herrscher, der diese Lanze besaß, galt als unbesiegbar.
  • Das Schwert der Johanna von Orléans: Ihrer eigenen überlieferten Aussage nach habe sie in einer Vision den Auftrag erhalten, ein in der Kirche von Sainte-Catherine-de-Fierbois verborgenes Schwert an sich zu nehmen, das sich dort hinter dem Altar im Boden befunden habe. Auf dem zu diesem Zeitpunkt bereits alten Schwert hätten sich ihrer Beschreibung nach fünf Kreuze befunden. In ihrem Prozess weigerte sie sich, nähere Angaben zum Verbleib des Schwertes zu machen. Einer späteren Legende nach habe es sich um das Schwert Karl Martells gehandelt. Dieser habe die Kirche errichten lassen und sein Schwert dort für einen künftigen Retter Frankreichs verborgen. Einer anderen Legende nach habe er es dort als Dankesopfer für seinen Sieg in der Schlacht von Tours und Poitiers hinterlassen.
  • Ascalon: Das Schwert oder die Lanze, mit der Sankt Georg der Legende nach den Drachen tötete und das Land, das er terrorisierte, vom Bösen befreite.
  • Durendal: Die Erzählung über das legendäre, wundertätige Schwert Rolands ist Teil mehrerer Überlieferungen und findet sich auch im Rolandslied. Laut der nordischen „Karlamagnús saga“, die den Stoff vieler verlorengegangener altfranzösischer Epen aufgenommen hat, wurde Durendal zusammen mit Almace und Curtana von Wieland dem Schmied hergestellt und an Karl den Großen übergeben. Als dieser die Schwerter testete, habe sich Durendal als das tauglichste erwiesen, gefolgt von Almace und Kurtana. Er habe Durendal zunächst für sich behalten und später an Roland übergeben. Curtana habe er an seinen Paladin Holger den Dänen und Almace an Turpin, den Erzbischof von Reims der ihn auf seinem Feldzug in Spanien begleitete, übergeben.
  • Almace: Im Rolandslied ist dies der Name des Schwertes von Turpin, des Erzbischof von Reims, der zusammen mit Roland im Kampf fällt.
  • Hauteclere: Im Rolandslied der Name des Schwertes des Ritters Oliver, der in vielen altfranzösischen Heldenliedern vorkommt
  • Curtana: Ein Schwert dieses Namens wird bei der Krönung britischer Könige verwendet. Der Legende nach soll es zuvor dem Ritter Tristan aus der Artussage sowie Holger dem Dänen, einem Paladin Karls des Großen, gehört haben und aus dem gleichen Stahl geschmiedet worden sein wie die Schwerter Joyeuse und Durendal.
  • Nagelring: Ein legendäres Schwert Dietrichs von Bern, mit dem dieser den Riesen Grim tötet
  • Mimung: Eines der legendären Schwerter Dietrichs von Bern
  • Eckesachs: Eines der legendären Schwerter Dietrichs von Bern
  • Joyeuse: Das legendäre Schwert Karls des Großen soll der Erzählung zufolge aus demselben Stahl geschmiedet worden sein wie die Schwerter Durendal und Curtana. Es wird auch im Rolandslied erwähnt.
  • Sauvagine: Einer altfranzösischen Legende nach der Name eines weiteren Schwertes von Holger dem Dänen
  • Froberge: Einer altfranzösischen Legende nach der Name des Schwertes des Ritters Renaud de Montauban (dt. Reinold von Montalban oder Reinhold von Köln, der Stadtpatron von Dortmund)
  • Tizona: Eines der Schwerter des spanischen Ritters El Cid, der im 11. Jahrhundert gegen die Mauren kämpfte. Das Schwert Tizona soll ursprünglich einem Maurenkönig gehört haben, den El Cid besiegte.
  • Colada: Ein weiteres legendäres Schwert El Cids.
  • Lobera: „Wolfstöter“; der Name des historischen Schwertes Ferdinands des III. von Kastillien
  • Excalibur: Das Schwert von König Artus in der Artussage, in anderen Überlieferungen auch „Caliburn“ genannt
  • Pridwen: Einer Legende zufolge der Schild von König Artus, auf dem sich ein Bild der Muttergottes befand
  • Rhongomiant: Einer walisischen Legende nach der Speer von König Artus, den er von Gott verliehen bekommen habe; in anderen Legenden als „Ron“ bezeichnet
  • Carnwennan: Einer walisischen Legende nach der Dolch von König Artus, den er von Gott verliehen bekommen habe
  • Der Schild des Judas Makkabäus: Laut Artussage fand ihn der Ritter Gawan, nachdem er einen bösen Ritter besiegt hatte. Der Legende nach handelt es sich um einen roten Schild, der einen goldenen Adler zeigt.
  • Der Schild des Joseph von Arimathäa: Wird in der Artussage erwähnt, wo der Schild von Parzival entdeckt wird

Stand: 23.06.2017