Kardinal Müller: Europa erlebt eine „forcierte Entchristlichung“

Caspar David Friedrich - Abtei im Eichwald

Kardinal Gerhard Ludwig Müller war bis Anfang Juli Präfekt der Kongregation für die Glaubenslehre der katholischen Kirche. In der italienischen Zeitung „Il Foglio“ warnte er jetzt vor einer „forcierten Entchristlichung“  und der „dramatischen“ Lage des Christentums in Europa. Eine umfassendere Übersetzung der Aussagen Müllers ist hier zu finden.

Der Kardinal beschreibt die Lage der Kirche und des Christentums in Deutschland und Europa folgendermaßen:

  • In ganz Europa sei eine „forcierte Entchristlichung“ zu beobachten, die über bloße Säkularisierung weit hinausgehe. Die Kultur Europas vollziehe gegenwärtig etwa einen radikalen Bruch mit dem Menschenbild, auf dem sie beruhe. Es setze sich ein neues Menschenbild als Norm durch, das den Menschen ohne jeglichen Bezug zum Transzendenten betrachte.
  • Im Christentum würden gleichzeitig Glaubensbindungen und Glaubensweitergabe immer schwächer werden, während „sogenannte Progressive … alle sogenannten Konservativen jagen“ und dadurch Kräfte binden würden, die für die Auseinandersetzung mit den eigentlichen Herausforderungen nicht mehr zur Verfügung stünden. Gleichzeitig würde dadurch die Kirche immer stärker politisiert und dem Zeitgeist unterworden.

Christen müsste sich diesen Herausforderungen stellen und dürften ihnen nicht ausweichen. Jesus Christus habe nicht einen oberflächlichen Frieden durch Anpassung angestrebt, sondern die Welt herausgefordert und die Menschen dazu aufgerufen, ihm im Dienst nachzufolgen und sich dabei notfalls gegen die Welt zu stellen. Dies gelte auch in der gegenwärtigen Lage.

Hintergrund

Im Januar 2013 hatte Kardinal Müller als Präfekt der Kongregation für die Glaubenslehre vor einer sich abzeichnenden „Pogromstimmung“ gegen die Kirche und das Christentum im europäischen Kulturraum gewarnt. Die Angriffe würden dabei auf dieselben Mittel zurückgreifen, die auch totalitäre Ideologien in ihrem Kampf gegen das Christentum eingesetzt hätten. (ts)

1 Kommentar

  1. Eines der größten Probleme der Müllers und Meisners ist doch, dass sie während ihren aktiven Zeiten in den Ämtern viel zu wenig für ihre Überzeugungen machen. Mir ist durchaus bewusst, dass es nicht immer zielführend ist am lautesten zu sein. Aber viele unserer Kardinäle und Bischöfe haben ihr Herz am richtigen Fleck – nur sind es halt alles keine Politiker oder Strategen. Hier fehlt ihnen einfach zu viel.

    Ich vermisse auch einen Bischof in Deutschland vom Typus eines Dyba.

Kommentare sind deaktiviert.