Papst Franziskus: Dienende Aufopferung des eigenen Lebens als neuer Weg zur Heiligsprechung

Das Löwendenkmal in Luzern zu Ehren der beim Tuileriensturm 1793 gefallenen Schweizergardisten

Gemäß eines gestern veröffentlichten Erlasses von Papst Franziskus ist jetzt auch die heroische Inkaufnahme des eigenen Todes bei der Verrichtung des Dienstes am Nächsten prinzipiell ein Weg, um als Heiliger der Katholischen Kirche anerkannt zu werden. Laut Franziskus sei dies eine „vollkommene und beispielhafte Nachahmung Jesu“ und „der Bewunderung würdig, welche die Gemeinschaft der Gläubigen denjenigen vorbehält, die freiwillig das Martyrium angenommen oder mit heroischer Tugend ein christliches Leben gelebt haben“.

Der Titel des päpstlichen Erlasses „Maiorem hac dilectionem“ bezieht sich auf einen im Johannesevangelium überlieferten Satz von Jesus Christus, in dem dieser sagt: „Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt.“

Eine vorläufige englische Übersetzung des Erlasses findet sich hier.

Bewertung und Folgerungen

Heilige sind Menschen, die nach dem Verständnis der katholischen Kirche im besonderem Maße vorbildhaft lebten. Durch die Entscheidung von Papst Franziskus sind die christliche Spiritualität des schützenden Dienstes und der Glaubensweg, der damit verbunden ist sich dienend Risiken zu stellen, in diesem Sinne als besonders vorbildhaft anerkannt und dadurch deutlich gestärkt worden.

Franziskus knüpft mit seiner Entscheidung an frühere Päpste an, die dienenden Opfertod auch ohne damit verbundene Verfolgung als Märtyrer in bestimmten Fällen als Beispiel heroischer Tugend anerkannt hatten und auf dieser Grundlage Selig- und Heiligsprechungen vollzogen hatten.

Papst Franziskus hatte bereits 2013 die 800 Märtyrer von Otranto heiliggesprochen, die im Jahre 1480 von osmanischen Invasoren in Süditalien ermordet worden waren, nachdem sie sich geweigert hatten, zum Islam zu konvertieren. Zu den künftigen Heiligen der katholischen Kirche könnten nach seiner Entscheidung nun auch jene Menschen gehören, die ihr Leben dafür einsetzen, andere vor solchen Übergriffen zu schützen, die gegenwärtig Ausmaße erreicht haben wie niemals zuvor in der Geschichte des Christentums. Alternativ könnten auch Menschen als Heilige anerkannt werden, die verfolgten Christen allgemein unter Einsatz ihres Lebens helfend zur Seite stehen. (ts)

4 Kommentare

  1. Der aktuelle Papst, also Franziskus, versteht unter „dienender Aufopferung“ womöglich etwas anders als den Schutz bedrohter Christen, und zwar eher das passive Erdulden einer als schicksalhaft verstandenen und mächtigeren äußeren Entwicklung.
    Also eine Aufopferung ähnlich der der Märtyrer des 3. Jahrhunderts in den Zeiten der Verfolgung durch den römischen Staat.
    Eine „dienende Aufopferung“ im Bemühen einer wehrhaften Kirche, die abendländischen Werte zu verteidigen, muss nicht unbedingt im Erlass gemeint sein …

    Die unten angeführten Links über die Kontakte des Papstes weisen jedenfalls in diese Richtung.

    http://www.katholisches.info/2017/07/marcello-pera-der-freund-benedikts-xvi-ueber-papst-franziskus-und-die-migrationspolitik-er-hasst-den-westen-und-will-ihn-zerstoeren/

    http://yournewswire.com/wikileaks-soros-vatican-coup/

    https://philosophia-perennis.com/2017/07/15/zornausbruch-im-vatikan-us-katholiken-deckten-die-verwicklung-des-papstes-in-das-soros-netzwerk-auf/

    So gesehen fügt sich der bewusste neue Erlass des Papstes als ein weiteres Puzzleteil in die verhängnisvolle aktuelle Politik Roms ein und kann sogar als eine indirekte Ermunterung zur Hinnahme von Veränderung und zur Annahme von Leid, Tod und Verfolgung (durch wen eigentlich?) gedeutet werden.

    • @Waldgänger
      Das gute an der katholischen Kirche ist aus meiner Perspektive als ehemaliger Protestant, dass sie als Institution stark genug ist, um gegenüber den Schwächen von Individuen an ihrer Spitze unverwundbar zu sein. Spätestens der Nachfolger von Franziskus wird die neuen Regelungen gewiss zum Guten anzuwenden wissen…

  2. @ Leu der Lüfte
    Zustimmung. Die Katholische Kirche als auch heute noch gewaltige Institution mit einer bald 2000 jährigen Geschichte, mit ihren gewachsenen Traditionen und vielfältigen Strukturen, die eben nicht alle gleichgeschaltet sind, ist stets mehr als nur der jeweilige Papst. Das ist ein Trost.

    @ Leser 0815
    Vielen Dank für diesen bemerkenswerten Link!
    Die Formulierungen Benedikts hinsichtlich der „Diktatur des Zeitgeistes“ und der Kirche, die er mit einem Boot vergleicht, das dem „Kentern“ nahe ist, haben schon eine ungewöhnlich deutliche Ausdrucksweise.

    Das Kentern ist ja physikalisch gesehen der plötzliche und irreversible(!) Umschlag nach vorangegangener (womöglich auch allmählicher) Verschlechterung der Kräfteverhältnisse. Am Kippunkt erfolgt der Umschlag.
    Ein gekentertes Boot kann von der Besatzung aus eigener Kraft nicht wieder umgedreht werden; es bedarf der Hilfe von außen. Im besten Falle treibt es, ohne gleich zu sinken, noch eine Weile steuerunfähig und hilflos an der Wasseroberfläche.

    Die Formulierung „fast zum Kentern angefüllt“ ist seltsam, denn ein volllaufendes Boot kentert eben nicht, sondern es sinkt zumeist ohne plötzlichen Umschlag. Indem Benedikt beide Dinge – das Volllaufen (womit? mit wem?) und das Kentern – trotzdem in einem Satz unterbringt, warnt er (unausggesprochen) vor zwei Entwicklungen: dem Volllaufen der Kirche mit etwas ihr Wesensfremden u n d dem Kentern.

    Schade, dass Benedikt XVI mittlerweile wirklich sehr alt, zu alt ist.

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