Gemeinschaftsbildung: Das Beispiel der St. Jerome Catholic Church (USA)

Jörg Breu der Ältere - Zisterziensermönche

Gemeinschaftsbildung ist ein zentraler Aspekt praktischer Antworten auf die Krise westlicher Gesellschaften. Der amerikanische Sender NPR berichtete in diesem Zusammenhang kürzlich über die St. Jerome Catholic Church in Hyattsville im amerikanischen Bundestaat Maryland, wo sich eine entsprechende Gemeinschaft gebildet hat. An ihrem Beispiel werden einige Prinzipien von Gemeinschaftsbildung sichtbar.

  • Kern der Gemeinschaft war eine theologisch konservative Kirchengemeinde, deren Mitglieder verbindlichen Glaubensvorstellungen folgten und über starke religiöse Bindungen verfügten. Diese Gemeinde habe Familien aus dem Umfeld angezogen, die Teil solcher Bindungen sein wollten.
  • Einige Familien seien zudem in die Nähe der Gemeinde umgezogen, weil sie ein intaktes Umfeld für ihre Kinder suchten und sie erwarteten, dies in Form ähnlich orientierter Familien zu finden. Zudem betreibt die Gemeinde eine Schule, deren Schüler einer entsprechenden Positivauswahl unterliegen, und deren Lehrplan bewusst nicht ideologischen und pädagogischen Moden folgt, weshalb der Unterricht von höherer Qualität sei als an staatlichen Schulen.
  • Über einen gewissen Zeitraum sei ein Netzwerk von Familien im Umkreis der Gemeinde und eine sie unterstützende Infrastruktur entstanden, etwa in Form von durch Gemeindemitgliedern betriebenen Geschäften. Zudem sei eine Solidarstruktur unter den Familien entstanden, die sich etwa bei der Betreuung von Kindern unterstützen. Auf diese Weise sei auch sichergestellt, das Kinder soweit wie möglich positiven kulturellen Einflüssen unterliegen. Die Solidarstruktur begünstigte zudem die Bildung von Großfamilien.
  • Die gemeinsamen religiösen Aktivitäten sowie die Mitwirkung an sozialen Aktivitäten und der Solidarstruktur schaffe enge Bindungen unter den Mitgliedern, was die Gemeinschaft stärke und für weitere Familien attraktiv mache. Die sozial und kulturell intakte Gemeinschaft werde zusätzlich gefestigt durch den deutlichen Unterschied zum den Auflösungserscheinungen ihres Umfeld, der den Wert der Gemeinschaft für alle Mitglieder sichtbar mache.

Die Gemeinschaft besteht nicht aus gesellschaftlichen Aussteigern, sondern befindet sich am Rande des Ballungsraums Washington. Sie ermöglicht es ihren Mitgliedern, ihr berufliches Leben wie gewohnt fortzusetzen. So konnte in einem Verfallsumfeld eine Insel intakter Kultur entstehen, die sehr ähnlich wie die Zellen der Mönche des frühen Mittelalters in ihr Umfeld ausstrahlt und es verwandelt. (ts)

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